

Besucherzentrum für den Gedenkort Friedhof der Märzgefallenen Berlin Friedrichshain
Freiraum
Ziel der Freiraumplanung ist es den Friedhof der Märzgefallenen sichtbarer und lesbarer zu gestalten ohne dabei diesen historischen Ort zu überformen. Wenige, bewusst gesetzte Änderungen schaffen eine deutliche Verbesserung der Strahlkraft des Ortes und belohnen die Neugier Vorbeigehender und laden ein den Ort zu betreten.
Die Freitreppe am Eingang Landsberger Allee wird etwas gedreht, wodurch eine auffällige Platzform aus Mosaikpflaster entsteht. Der mit Klinker gefasste Kreis auf dem Vorplatz wird erhalten. Die neue Treppe wird in Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde aus vor Ort rückgewonnenen Ziegeln neu errichtet und als bewusster Akzent zur Bestandsmauer aus Bossensteinen inszeniert.
Die Dauerausstellung aus Stehlen, welche derzeit auf dem Gelände in Halbkreisen angeordnet ist, wird rechts und links der neuen Treppe verschoben, die zusätzlich den Weg zum Friedhof säumen. Die neuen Stehlen aus geflämmtem Holz greifen das Material der Fassade des Besuchszentrums auf und schaffen so eine Einheitlichkeit der Materialien sowie einen neuen Orientierungspunkt an der Landsberger Allee.
Um die Sichtbarkeit des Besuchszentrums zu erhöhen, werden die Bestandsbäume hochgeastet und Strauchpflanzungen zurückgeschnitten. Zusammen mit den Versetzten Stehlen entsteht so eine Blickachse vom Ernst-Zinna-Weg bis zum Besucherzentrum. Um diese Blickachse zusätzlich zu inszenieren, wird die Mahd auf der Achse ausgesetzt und die Pflanzung durch gebietsheimisches Saatgut zu einem Blühstreifen weiterentwickelt.
Der Zugang zum Besucherzentrum erfolgt über einen Holzsteg auf Metallunterkonstruktion, der zwischen den Bestandsbäumen liegt und über dem historischen Friedhof schwebt. Unterhalb des Decks werden die Fahrradstellplätze angeordnet und über das bestehende Gartentor mit Nebenweg, südlich des Neubaus erschlossen.
Die Option einer Regenwasserrückhaltung und -gewinnung des anfallenden Wassers der Dachflächen kann mittels monolithischer Zisterne erreicht. Über entsprechende technische Ausrüstungen kann das Wasser entweder als Brauchwasser für Toilettenspülung und selbstverständlich für die Bewässerung der Außenanlagen genutzt werden. Die Reinigung des Wassers erfolgt über die Dachbegrünung und einen Reinigungsschacht. Der Überlauf erfolgt in eine Rigole. Alternativ ist auch eine oberirdische Verdunstung möglich, wenn ausreichend Abstand zum Gebäude eingehalten werden kann.
Die Grenze zwischen dem Vivantesgelände und dem Grundstück des Besuchszentrums wird dezent, aber deutlich durch ein erhöhtes Stahlband und differenzierter schattenverträglicher Pflanzung gekennzeichnet.
Besuchszentrum
Das neue Besuchszentrum ist weitgehend als zweigeschossiges Bauwerk konzipiert, wobei die Bereiche für das Publikum auf der Erdgeschossebene übersichtlich gebündelt sind. Um ein wirtschaftliches und kompaktes Bauwerk zu erzeugen und die Tiefe (und Kosten) einer Teilunterkellerung zu minimieren wird der Südflügel der „U“ Form als Split-Level konzipiert.
Es ist ein hofartiges Gebilde, das einen großen, zentralen, fließenden Raum im Erdgeschoss umschließt. Das erhabene Niveau vom Erdgeschoss beherbergt die Publikumsräume (Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Pädagogikbereich) und liegt geringfügig (ca. 50 cm) höher als das Friedhofsgelände. Es handelt sich um eine durchgesteckte Raumfolge, die mit einem großzügigen vorgelagerten Außendeck beginnt, gefolgt von der großen Eingangshalle (Foyer mit Infotresen, Garderobe und Ausstellung) und schließt mit dem abtrennbaren Multifunktionsraum und seinem Erker ab. Die erhabene Lage vom Deck und der verglasten Eingangshalle erlauben Einblicke tief in das Gelände des Friedhofs. Als Vermittlungs- und Lernort regt dieser Sichtbezug vom Deck und von der Ausstellung zu den Diskussionen an und intensiviert die Beziehung zwischen dem Innenraum (Besuchszentrum) und den Außenraum (Gedenkort). Das Deck lädt zum Verweilen ein, umfasst einen bestehenden Baum, der einen Fokalpunkt für Gespräche im Außenbereich bildet. Da die Oberkante der Friedhofsmauer nur leicht abgesenkt wird, wird ein Eindringen auf das Friedhofsgelände vom Krankenhausgelände weiterhin unterbunden. Auch Müll- und Gerätelager sind hinter einer Tapetentür dezent, aber auch direkt vom Deck aus erreichbar.
Beim Betreten des Foyers des neuen Besuchszentrums ist gleich eine Infostelle mit Garderobe samt Schließfächern zur rechten Hand vorgesehen und zur linken befindet sich die Ausstellungsfläche mit den Vitrinen und der Filmstation. Die zwei Seminarräume, jeweils individuell über das Foyer erschlossen, wurden nebeneinandergelegt, damit sie über eine mobile Trennwand auch zusammenschaltbar sind.
Der Multifunktionsraum, wird nach Osten über ein großes Erkerfenster mit Tageslicht versorgt was auch einen schönen Ausblick über den Garten des Krankenhausgeländes erlaubt. Das Fenster ist mit außenliegendem Sonnenschutz versehen und ist zudem von Innen durch lichtdichte Rollos verdunkelbar. Eine mobile Trennwand erlaubt ein zusammenschalten der Fläche des Multifunktionsraums mit dem Foyer für größere Events.
Im Foyer ist ein Treppenhaus mit einem Durchlader-Aufzug vorgesehen, damit alle Ebenen des Gebäudes auf kurzem Weg und barrierefrei erschlossen sind.
Neben dem zentralen Foyer wird die leicht angehobene Ebene (Split-Level) des Hochparterres über eine offene Treppe erschlossen. Dieser Raum, mit Sichtfenster zum Foyer, beherbergt die Bibliothek. Die Bibliothek wird von seinem abgeschrägten großflächigen Fenster geprägt, welches den direkten Blickbezug zum Gedenkort herstellt. Auch im Hochparterre, nah dem Infotresen, befinden sich im rückwärtigen Bereich das „Back-Office“ und der Erste-Hilfe Raum. Im darunterliegenden Zwischengeschoss, von der Eingangshalle über eine halbe Treppe leicht erreichbar, sind die WC- Anlagen für Besucher und das Stuhllager vorgesehen. Der Durchlader-Aufzug sorgt für eine barrierefrei, bzw. stufenlose Erschließung.
Im Sockelgeschoss, auf dem Niveau des Krankenhausgeländes angesiedelt, sind alle Büro- und Verwaltungsräume sowie der Sozialraum und Personaltoiletten etc. optimal zusammen gebündelt. Alle Räume verfügen über einen Außenbezug
mit Blick in den Garten. Diese Lage erlaubt ein ruhiges Arbeiten außerhalb vom Publikumsbereich, sind auf kurzem Weg jedoch damit gut verbunden. Unter dem Zwischengeschoss wird eine Teilunterkellerung für die notwendigen Technikflächen als kostengünstiges Souterrain ausgebildet.