

Umgestaltung Barbarossaplatz Berlin Tempelhof-Schöneberg
Der Barbarossaplatz in seiner jetzigen Gestalt wird geprägt von der grünen Verkehrsinsel mit umgebenden Straßen- und Gehwegraum. Der hohe Anteil an versiegelten Straßenraum und die stark auf den Motorisierten Individualverkehr (MIV) ausgerichtete Gestaltung führt zu einer isolierten Lage der potenziell sehr wertvollen grünen Insel mit Ihren prägenden Bäumen und dem Kinderbrunnen der sich in seiner Wirkung nicht entfalten kann. Durch die vorliegende Gestaltung soll die erschwerte Durchquerung von angrenzenden Stadträumen durch das Gebiet qualifiziert werden, um eine gefahrenarme Erlebbarkeit zu ermöglichen.
Leitidee/Entwurfsidee
Eine einsame Insel wird aus Ihrer Isolation befreit, bekommt eine Bucht, einen Strand dazu und viele vorgelagerte Regenwasserinseln. Ergänzt durch den Treibholzstapel, bekommt der Quartiersstrand ein unverwechselbares Sitz-/Lern- und Bewegungselement, welches für vielfältige Nutzung zur Verfügung steht.
Die vorgelagerten Inseln sind als Erweiterung des Gehweguntersteifens zu verstehen und interpretieren die Berliner Gehwegstruktur neu. Ober- und Gehstreifen sind leitendes bekanntes Element und tragen zur Identität stiftenden Gestaltung bei und schließen natlos an die Bestandswege an. Der neue Unterstreifen nimmt sich der neuen Herausforderung von Versickerung, Verdunstung und Aufnahme von dienenden Nutzungen an und wird wo erforderlich mit Stegen überquerbar gestaltet. Der Straßenraum wird entsprechend der beabsichtigten Nutzung angepasst und soweit reduziert, das Rettungsfahrzeuge, sowie auch Ver- und Entsorgungsverkehr den Raum problemlos durchqueren kann.
Klimaanpassung
Der vorhandene Baumbestand übernimmt in Städten häufig ungeplant wichtige Aufgaben für die Kühlung durch Frischluftschneisen. Der Erhalt des vorhandenen Gehölzdaches am Barbarossaplatz trägt daher wesentlich zur Abkühlung der Fläche und einer ausreichenden Verschattung bei. Es werden keine Bäume gefällt, sondern deren Lebensraum vergrößerst und verbessert. Durch die gezielte Leitung von Regenwasser zu den vorhandenen Baumstandorten erhalten diese auch in Trockenperioden ausreichende Wasserversorgung. Neupflanzungen sollen diesen Effekt noch verstärken.
Darüber hinaus wird durch die großflächige Entsieglung und Schaffung zusätzlicher Grünflächen die Erwärmung reduziert und durch Verdunstungsinseln entsteht eine weitere Klimainsel im Stadtgefüge.
Gestaltung und Nutzungsverteilung
Die räumliche Ausgestaltung teilt sich in den zentralen ‚Quartiersinselbereich‘ als Ort für den ruhigen und kontemplativen Austausch. Mit zunehmender Nähe zu den Schulgebäuden öffnet sich der Raum und qualifiziert die Erschließung zum Kinderbrunnen und öffnet sich an diesem zentralen wichtigen Ort zum Quartiersstrand. Um den ca.1 m Höhenunterschied zu überwinden, wird eine Treppenanlage angeboten, welche den ‚Balkon‘ mit der ‚Bucht‘ und dem ‚Stadtstrand‘ verbindet. Dieser Bereich wird als intensiver Lern- und Begegnungsraum entwickelt mit Platz und Sitzangeboten für alle Altersklassen und Nutzergruppen.
Die auf geweiteten Gehwege und angepassten Straßenräume werden als Begegnungszone mit Vorrang für Fußgänger, Spielende und Radfahrer angeboten. MIV ist Gast im Bereich des Barabrossplatzes.
Kleine Treffpunkte und ein Fitness Angebot im Übergang zum Alice-Salomon-Park beziehen auch angrenzende Flächen mit ein.
Erschließung und Verkehr (Kfz, Fahrrad, Fußgänger*innen)
Der Straßenraum für den MIV wird auf das funktionale notwendigste begrenzt und durch entsprechende Anrampungen, Markierungen und Aufweitungen durch das Gebiet geleitet. Mit dem PKW lässt sich der Platz über die Barbarossastraße und Eisenacher von Süden erreichen, sowie von Norden über die Eisenacher in Richtung Schwäbsiche Straße. Eine Durchfahrt zur Schwäbischen Straße sowie eine Durchfahrt der Eisenacher Straße in nördlicher Richtung ist nicht mehr möglich. An der östlichen Grenze wird eine Wendeschleife für PKW vorgesehen, sodass auch von dieser Richtung nur eine Befahrung mit Rettungs- und Entsorgungsfahrzeugen möglich ist.
Der Fahrradverkehr wird um den Barbarossaplatz aus der Eisenacher Str. in Richtung Barbarossa-/ Schwäbsiche Straße in Richtung nördliche Eisennacher Straße geleitet. An den konfliktreichen Übergängen für Fußgänger oder Spielstraßen sind entsprechende Modalfilter, Markierungen und Materialwechsel im Belag vorgesehen, um den Fahrradverkehr zu sensibilisieren.
Die Fußgänger können sich in aller Regel konfliktfrei durch den Raum bewegen und erhalten an allen Raumenden Zugang zur Insel.
Entwässerung und Regenwassermanagement
Regenwasser als Teil der Entwurfs Herleitung. Um der zukünftigen Herausforderung Umgang mit dem Regenwasser gerecht zu werden, wird diese in die grundlegende Struktur mit eingebettet. Alle Straßen- und Platzbereiche entwässern entweder direkt oder mittelbar in die begleitenden grau blauen Inseln ein. Im Falle von Starkregenereignissen nehmen Notüberläufe das überschüssige Wasser auf und leiten dies an unterirdische Sickerstränge ab und verteilen das Wasser unterhalb der befestigten Flächen und kommunizieren so untereinander. Als positiver Nebeneffekt werden die vorhandenen und neuen Baumquartiere mit zusätzlichem Wasser versorgt und können so länger Trockenperioden überstehen.
Verwendete Materialien und Pflanzenverwendung
Der Quartiersplatz wird mit einem Pflasterbelag aus gebrauchten/ gesägten Kleinsteinpflaster erstellt und stellt so die kiesige Strandunterlage für den Platz dar. Die Gehwegstruktur bleibt in Ihrer Grundstruktur aus Oberstreifen mit Mosaik und Gehstreifen aus Platten weitestgehend erhalten. An Übergängen werden entsprechende Aufweitungen vorgesehen und durch neues Material, passend zum Bestand, ergänzt. Das gewonnene Mosaikpflaster der Unterstreifen wird als Zuwegung zum Kinderbrunnen und Balkon genutzt.
Die Sitzbänke der Treffpunkte werden mit der typischen Berliner Sitzbank ausgestattet, während die Objekte auf dem Platz, Sonderbauteile aus Metall und Holz sind. Die übrige Möblierung setzt sich aus klassischen, dienenden Elementen wie Fahrradständern, Papierkörben und Trinkbrunnen zusammen. Einige Fitnessgeräte können die ehemalige Pflegezufahrt zum Alice Salomon Park besetzen, um auch an dieser Stelle zu entsiegeln.
Die Bepflanzung erfolgt mittels wechselfeucht verträglichen Pflanzen und klimatoleranter Baumergänzungspflanzungen. Der vorhandene Baumbestand wird vollumfänglich erhalten.
Intensivere Staudenpflanzungen befinden sich direkt angrenzend an den Balkon und Kinderbrunnen. Die Quartiersinsel wird als Wiesenkissen ausgebildet um die Pflegekosten zu minimieren.
Wirtschaftlichkeit im Sinne von Angemessenheit
Durch die Wiederverwendung von Teilflächen des Bestandes und Integration des bestehenden Baumbestandes können Herstellungskosten eingespart werden. Alle Bauteile bestechen durch Ihre Langlebigkeit und orientieren sich an den Standards von Tempelhof Schöneberg. Sonderbauteile werden durch robuste langlebige Metall-/Holzkonstruktion angeboten.
Barrierefreiheit
Generell sind alle Übergänge barrierefrei gestaltet und durch möglichst glatte Oberflächen gut befahrbar.
Für Beeinträchtigte Personen wird zudem die Insel und der Kinderbrunnen von erschlossen.