Alice-Salomon-Platz 1

Alice-Salomon-Platz Berlin Marzahn-Hellersdorf

Der Alice-Salomon-Platz hat durch seine Lage eine hohe Bedeutung als Drehpunkt für die Hellersdorfer Stadtteilgesellschaft und fungiert als Vorplatz für verschiedene Kommunale Funktionen, sowie Bildungsangebote und die Versorgung der Anliegenden Bevölkerung. Der Platz soll zudem als Bindeglied zwischen Verkehr, Aufenthalt und Begegnung vermitteln.
Seine derzeitige stark von Versiegelung geprägte Gestaltung, sowie die fehlende Verknüpfung der Einzelteile des Platzes sollen mit dem erweiterten Stadtraum aus großzügigen Parklandschaften (Regine Hildebrandt Park / Kurt Julius-Goldstein-Park) verschmelzen und aus einem reinen Transitraum einen grün geprägten Stadtplatz formen, welcher zum Aufenthalt einlädt und die verschiedenen Nutzergruppen berücksichtigt.


Entwurfsidee
 

Die bereits vorhandenen Potenziale des Alice-Salomon-Platz sollen gestärkt werden. So wird der Platz von der begrenzenden Gebäudekante zur vermittelnden grünen Stadtlandschaft gedacht, welche vorhandene Strukturen akzeptiert und Gestaltungsprinzipen der ursprünglichen Gestaltungsidee einbezieht. So wird im Sinne einer nachhaltigen und umsetzbaren Gestaltung das Vorhandensein von bestehenden Infrastrukturen mitgedacht, ganz im Sinne des ‚Form follows function‘ Gedankens.
Die bereits bestehende Zonierung aus umlaufenden Funktionsband, bestanden mit erforderlichen Einrichtungsgegenständen, wird über die Grenzen der verkehrlichen Strukturen weitergedacht, geordnet und verbindet so die Einzelteile des Platzes zu einem umfassenden Rahmen. Die vom Rhombus Raster geprägten Platzflächen werden nur an jenen Stellen aufgenommen, wo dies wichtige Verbindungswege in und aus dem Qaurtier, technische Infrastrukturen, Marktnutzungen und bereits vorhanden Grünstrukturen zulassen und werden zu grün/ blauen Inseln umgeformt. Der Rhombus wird weiterhin als Grundelement genutzt und an markanten Bereichen durch quadratische Aufenthaltsinseln mit dreidimensionalen Wetterschutz aufgebrochen und durch neue Nutzungen besetzt. Die dadurch erhaltene Auflockerung schafft einen beruhigten grünen Übergang von rahmenden Gebäuden, nutzt dabei vorhandene Regenwasseranlagen und leitet die Niederschläge in die geschaffenen grün blauen Inseln. Dass an die Verkehrsinfrastrukturen angrenzende zu belassende und versiegelte Rhombusnetz übernimmt die vorhandene dienende Funktion als offen nutzbare Markt- und Veranstaltungsfläche. Angrenzende und durchquerende Wegeverbindungen werden entsprechend verlegt oder optimiert, um einen konfliktarmen Umgang aller Nutzenden zu gewährleisten.
Das Verschmelzen des befestigten Quartiersplatzes mit grünen Inseln und die Behauptung gegen die Gebäudedominaz mittels 3-dimensionaler Freiraumarchitektur geben dem Platz eine alltagstaugliche Struktur und Wiedererkennungswert im Stadtgefüge und schafft einen Übergang zu den angrenzenden Landschaftsraum und Wohngebieten.
 

Entwurfsbausteine
 

Dienendes Funktionsband
Das umlaufende Funktionsband aus Betonplatten und vorhandener Ausstattung wird geordnet und weiterhin als verbindende Zone zwischen den Gebäudezugängen und dem eigentlichen Platz angesehen. Sämtliche Einrichtungen wie Fahrradbügel, Trinkbrunnen, Fahnenmasten und weitere finden hier Ihren Standort und vermeiden Unruhe auf den Kernplatz.


Multifunktionale Teilbereiche für die anliegenden Nutzenden
Die bestehenden Befestigungen werden nur dort aufgenommen, wo Sie durch grün geprägte Aufenthalts- und Verdunstungsinseln ersetzt werden. Es wird maximal eine höhengerechte Anpassung der Beläge vorgenommen,ansonsten verbleiben jenen Materialien an Ihren Platz, welche nicht beschädigt sind oder aus funktionalen Gründen ausgetauscht werden müssen.
Die bestehenden Flächen stellen sich weiterhin für verschiedenste Nutzungen zur Verfügung und nehmen Märkte, Konzerte oder sonstige Veranstaltungen auf und leiten die Anliegenden und Besucher über den Platz, zu den jeweiligen Zielen. Hier besteht die Möglichkeit des Austausches zwischen Stadtgesellschaft, Amtsträgern und Hochschule.


Quadratische Corners
Das bestehende Rhombusgeflecht wird in Teilflächen bewusst aufgelöst und durch definierte Nutzungsteppiche, sogenannte Corner mit definierten Aktionsbereichen belegt, je nach angrenzenden Bedürfnissen. Diese Plattformen werden mit verschiedenen Materialien (Holz I Kunststoffbelag I Fallschutz) und Einbauten (Spiel-I Fitnessgeräte I Tischtennis I Sitzgruppen I Wasserspiel, etc.) belegt und dienen den Anliegenden zur Erhöhung der Verweildauer als vielfältige Angebote. Um der Architektur einen selbstbewussten Partner im Freiraum an die Seite zu stellen, werden diese Bereiche mit einer Pergola Konstruktion versehen, welche je nach Nutzungsfeld verschiedene Höhen, sowie einen Witterungsschutz beinhalten können. Zudem wird hiermit eine weitere Form der Begrünung (vertikal) einbezogen um den Gesamtcharakter zu stärken.


Grüne-Blaue Inseln
Die grünen-blauen Inseln stellen das Herzstück der entsiegelten Bereiche dar. Sie gliedern den Raum leiten und nehmen das anfallende Regenwasser auf und sind mit robusten Stauden und Sträuchern bestanden, welche für Wechselfeuchte Situationen geeignet sind. Das Verhältnis von grünen und gefestigten Flächen ist in diesem Bereich prozentual andersherum verteilt und wird mit entnommenen Platten bestückt, welche von trittverträglichen Kräutern und Sedumarten umgeben sind, um die Sitzbereiche erreichen zu können.


Möblierung
Zur Förderung der Akzeptanz und Identität mit dem Platz werden möglichst eine Vielzahl von besehenden Bänken erhalten und überabeitet. Neue großzügige Sitzlandschaften begrenzen die bestehenden Gehölze auf beiden Platzteilen und übernehmen eine Dreifachfunktion als statisches Element, Identifikationselement und erhöhen die Erfahrung mitten im grünen Sitzen zu können. Weiterhin werden Sitzgruppen mit Tischen und Bänken vorgesehen um das nachbarschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, einfach auf die Hochzeitsgesellschaft oder Termine im Rathaus warten zu können.
Darüber hinaus werden bestehende Poller, Abfallbehälter und Fahrradständer durch gleichwertige Elemente ergänzt. Es wird auch hier darauf geachtet bestehende Elemente zu erhalten und wieder zu verwenden.
Ergänzt werden die Quadratischen Corner noch mit Fitness oder Spielelementen, welche den Platz zusätzliche Angebotsvielfalt verleihen.


Regenwasserkonzept
Das auf den befestigten Flächen anfallenden Regenwasser wird über bestehende, bzw. neu zu errichtende Abläufe und Rinnen gesammelt, bzw. in die grünen Inseln zur Flächenversickerung geleitet, sowie je nach finanzieller Realisierbarkeit in kombinierte Zisternen mit nachgelagerten Rigolen zurückgehalten für eine gezielte Nutzung der Wasserfontänen oder als abkühlender Verdunstungsnebel. In beiden Fällen wäre eine Vorreinigung notwendig. Ist die Kapazität der Zisterne erreicht, so wird das überschüssige Wasser an geeigneter Stelle versickert oder gedrosselt in den Hellersdorfer Graben geleitet. Dabei soll das bestehende Leitungsnetz genutzt werden und je nach Zustand ertüchtigt werden.
Das gespeicherte Wasser kann zudem durch Zapfstellen aus der Zisterne zur Bewässerung der Bäume sowie Pflanzflächen auf dem Platz genutzt werden.

Pflanzkonzept
Die Bestandsbäume wurden nach ihrer Vitalität beurteilt und gelten als erhaltungswürdig, lediglich zwei Bäume am U-Bahnhof müssten entnommen werden. Die gesunden und langfristig zu erhaltenden Bäume werden in die Planung integriert. Entlang der Straßenfluchten werden als Puffer und Fortführung der angrenzenden Straßenbaumpflanzungen insgesamt 11 klimaverträgliche Baumarten neu gepflanzt. Die Baumsammlung entlang der Straße wird aus verschiedenen Baumarten mit besonderen Eigenschaften in Habitus und Form gebildet, um einen jahreszeitlichen Wechsel in Blüte und Blattfärbung zu erreichen.
Die Versickerungsmulden in den Rasenflächen werden mit blühenden Stauden, Gräsern und Geophyten bepflanzt. Die ausgewählten Pflanzen sind trockenheitsverträglich und halten gelegentliche Einstauungen im Regenfall aus. Im Bereich der Sitzbänke und Plattenwege werden trittverträgliche Kräuter und Sedumansaaten vorgesehen um das Erlebnis in der Grünen Realität auch Wirklichkeit werden zu lassen.


Bauliche Umsetzung
Die Aufteilung des Platzes in mehrere Einzelteile wird auch in der Bauzeit genutzt. Während zunächst der Hauptteil des Platzes (Westteil) am Rathaus und Ärztehaus neu errichtet wird, können auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes (Westteil) entsprechende Informationen zur Planungs- und Bautätigkeit an die Bürgerschaft kommuniziert werden. Anschließend folgen dann der östliche Teil an der Hochschule und Marktcenter, sowie als letzter Baustein der kleine Aktivplatz an der südlichen Kante im Übergang zum Hellersdorfer Graben.

Auslober:in
Land Berlin vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin
Wettbewerbsart
Offener einphasiger freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Bearbeitungszeit
2024