Neugestaltung Grünanlage Skalitzer Straße 1

Neugestaltung Grünanlage Skalitzer Straße Berlin Kreuzberg

"kiezadresse"

Städtische Einordnung und Bewertung

Im dicht bebauten Luisenstadt Viertel spielt der Skalitzer Park eine entscheidende Rolle in der Nahversorgung für die Anwohner_Innen, Berufstätige und Besucher_Innen, welche diesen Bereich frequentieren und ansteuern. In seiner heutigen Gestalt ist dieser Aufenthaltsraum aus dem Gedächtnis der Nachbarschaft verschwunden, wenn überhaupt als Durchgangsraum mit Fehlnutzung verblieben. Das negative Image und die Wahrnehmung als Restfläche kann in einem Kiez mit solch hoher Anziehungskraft und überregionaler Bedeutung nur als unzureichend angesehen werden. Um eine kurzfristige Rückführung und Akzeptanz im Bewusstsein der Anwohner zu erreichen, ist die Partizipation einer der Grundbausteine des Entwurfes. Die entwickelte 3 teilige Grundstruktur bildet dabei den Rahmen für die weitere Ausformulierung der raumbildenden Elemente. Durch gemeinsame Workshops, Nachbarschaftsaktionen und sofern möglich Selbstbaueinsätze, kann die Identifizierung mit dem Park und seinen Elementen erheblich gesteigert werden. Soziale Randgruppen können durch die vor Ort stattfindenden Aktivitäten einbezogen, inspiriert und mobilisiert werden. Aus 'DEREN' Park wird 'UNSER' Park. Ganz nebenbei verschwinden unliebsame Nutzungen. Im Folgenden wird auf die Einzelnen "Kiezbausteine" eingegangen:

Raumstruktur

Aufräumen. Das abschottende Erscheinungsbild des westlichen Parkteils wird durch Wegnahme der "Bastion" und Öffnung der Eingangssituationen aufgehoben. Die grundsätzliche Aufteilung von Rasenlandschaft und Spielbereich bleibt erhalten, durch eine gezielte Fassung und Reorganisation werden diese an Ihrer Position gestärkt. Hinzu kommt ein eindeutigeres Parkzentrum mit zugehöriger Erschließungsstruktur. Der Parkbereich erhält mittels Ergänzung des Bestandszaunes eine umlaufende Einfriedung an der Skalitzer Straße welche sich auf die Gebäudeflucht der angrenzenden Bebauung bezieht. Durch den Neubau an der Mariannenstraße entsteht ein prägendes Gebäude, welches den Rücksprung des Gehweges mit anschließender Einfriedung ergibt und zur zentralen Treppe hinführt. Der bestehende Gehweg-Oberstreifen wird in diesem Bereich bis zum Parkrand erweitert. Im rückwärtigen Parkbereich bildet als begleitendes Element ein Sitzband mit Pflanzflächen die natürliche 'Rückenlehne´. Der bisherige Spielbereich am Vorplatz wird als Kreativ- und Aktivitäts-Hub entwickelt. Dieser bildet mit dem neuen Kreativ-Kiosk die zentrale Kiezadresse als Bindeglied zwischen Park und Vorplatz heraus.

Erschließung

Orientieren. Die unübersichtliche Erschließungsvielfalt des Bestandes wird durch klare Wegebeziehungen neu geordnet und mittels geeigneter Materialität unterstützt. Die Wege werden mit einem Tennenbelag wie im Bestand ausgebildet und erhalten in stark frequentierten Bereichen eine Befestigung. Die partielle Aufweitung entlang der Skalitzer Straße verschafft den Gehwegbereichen zusätzlichen Raum und leitet in den Park. Eine direkte Zuwegung zur Kita beseitigt die uneindeutige Situation im Bestand.

Nutzung, Angebote

Rückzug. Spielen. Aktivieren. Werken. Flanieren. Die Kiezadresse vereint vielfältige Interessen, sowie Nutzerwünsche und wird somit fester Bestandteil im Kreuzberger Kiezleben und laden zu folgenden Bespielhaften Aktivitäten ein: 1) Kiosk mit "Biergarten" aus Tresen und Barhockern 2) Stabile, große Tische als Nachbarschaftstreff mit Kiez-Regal für z.B. Fahrradwerkstatt / kreative Betätigung / Tauschbörse wie Büchertausch etc. 3) Pavillon als Identitätsstiftende Parkskulptur / Landmarke oder Bühne / OpenStage für Konzerte, Geburtstagsfeiern, Aufführungen... Dabei fungiert der Vorplatz primär als Treffpunkt und Kommunikationsort. Daran schließt der Kreativ-Hub mit Sport und Fitensselementen zur aktiven und mit Tisch-Elemente zur kreativen Betätigung an. Der bestehende Spielplatz wird zu einem Mehrgenerationen-Spielplatz erweitert (Seniorenfitness) und entwickelt sich so zu einem Anziehungspunkt für unterschiedliche Nutzergruppen. Das rückwärtige Sitzband ergänzt die Angebote um Pausen-/ Aufenthalts-/ Rückzugsbereiche.

Blickbeziehung, Soziale Kontrolle

Blickschärfung. Öffnung. Die heutige fehlende soziale Kontrolle wird durch klare Raumstrukturen, Öffnung des Geländes und Besetzung mit prägenden und adressbildenden Einbauten verbessert. Durch Bespielung und Einnahme durch die Nutzerinnen des Skalitzer Parks können so Fehlnutzungen des Parks vorgebeugt werden. Die Bewirtschaftung mittels Kioskgebäude stärkt den Besucherverkehr und schafft zusätzliche Frequentierung im Park Areal.

Topografie, Lärm- und Baumschutz

Zusammenspiel. Nach Abtrag der "Bastion" im Park soll die heute bestehende Topografie im Wesentlichen erhalten bleiben und wo nötig nachgeformt werden, um die raumprägenden Bäume an Ihren Standort belassen zu können. Als Zäsur zwischen Straße und Park dient eine Sitzstufen- und Treppenanlage, welche zu den ca. 1 m tiefer gelegenen Treffpunkt und Spielplatz führt und den Straßenlärm vom Park zurück hält. Im östlichen Teil - Bereich Kreativ-Hub- ist die gesamte Fläche ähnlich des Bestandes leicht abgesenkt und ebenfalls durch eine drei stufige Treppenanlage zur Skalitzer Straße hin abgefangen, um den Anschluss zum benachbarten Grundstück zu verbessern. Am Vorplatz wird die vorhandene Einfassung entlang der Oranien-/ Skalitzer Straße aus Baumschutzgründen erhalten, instandgesetzt oder ergänzt. Um möglichst viele Bäume erhalten zu können, wird hier ein Tennenbelag gewählt. Es werden einzelne Bäume entnommen um die Entwicklung der übrigen zu fördern. Der Parkbereich wird um neue Baumgruppen entlang der Mariannen- und Skalitzer Straße ergänzt.

Ausstattung Mitbestimmung. Akzeptanz.

Patenschaft. Zur Förderung der Akzeptanz und Identität mit dem Park werden die zukünftigen Nutzer- und Anwohner_Innen in die Ausgestaltung ihrer Kiezadresse einbezogen, indem sie die prägenden Elemente in Form, Materialität und Farbe mit entwickeln. Dabei erarbeitet das Planungsbüro Vorschläge welche durch Partizipation weiterentwickelt werden. In Enger Abstimmung mit dem Bezirk und weiteren Trägern soll so eine quartiersverträgliche Anlage entstehen, deren Objekte und Gestaltung im Grünflächenverbund Kreuzbergs einen neuen Anziehungspunkt herausbilden. Dazu trägt auch der neue Kiosk bei, welcher durch eine Erweiterung der Grundfläche Potential für kreativ nutzbaren Raum bildet. Es entsteht eine neue Kreuzberger Kiezadresse, die beispielsweise mit einer Patenschaft als Outdoor-Werkstatt betrieben werden könnte, gleichfalls aber auch Anlaufpunkt für verschiedenste kreative Ideen und Treffpunkt der unterschiedlichen Nutzergruppen bilden soll.
Auslober:in
Land Berlin, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Wettbewerbsart
Kooperatives Wettbewerbsverfahren
Bearbeitungszeit
2018/2019
Würdigung
1. Preis